Bogenferien in der Bourgogne

 
 
 

In Heft 77 wurden drei Parcours in der Haute Provence vorgestellt. Für einen Kurzurlaub ist es etwas weit und wir dachten an Chateau de Roche sur Linotte und Frau Cathérine Fabris (Heft 74). Ein kurzer Anruf und wir erhielten folgende Adresse mit den besten Empfehlungen: *Knapp über 500 km von Wiesloch (ich gehöre zu den Flying Arrows, Reilingen, ein Nachbarort) liegt Vièvy. Etwa 10 km von Viévy empfahlen uns Jany Carreau, die Eigentümerin der Bougogne Archerie telefonisch einen Campingplatz in Arnay le Duc, wenn wir nicht in einem ihrer “Gite“ (Wohnungen) bleiben wollten. .Arnay le Duc ist eine Besichtigung wert mit einem erhaltenen recht pittoresken Stadtkern, einem sehenswerten Turm und einer Kirche mit bemerkenswerten Schnitzarbeiten.

Als wir nach der Campingnacht am anderen Morgen voller Erwartung nach Vièvy fuhren, fanden wir ein winziges Dorf mit einigen Großbauern, vielen leer stehenden Häusern und keine Archerie. Knapp 2 km außerhalb dann das abgebildete Schild mit einer komfortablen Teerstraße. Die Bougogne stellt sich wie alle freien Landschaften in Frankreich als Großfeldanbau mit riesigen Weide, Ackerflächen und Wäldern vor-. Dies ändert sich in dem von uns besuchten Teil der Bourgonge. Viehweiden und Äcker werden mit lebenden Umgrenzungen aufgeteilt, Hecken mit und ohne Bäume, Waldinseln, natürliche Bachläufe zeigen eine Landschaft, die in dem Sinne eines Biologen einfach intakt zu sein scheint, auf alle Fälle aber wunderschön, wenn man die kurzen Hügel rauf und runter kutschiert. Jany Carreau, selbst passionierte Bogenschützin, die seit 1986, mit ihrem Gatten ein Bogengeschäft betreibt, entchloß sich 2014 wegen eines günstigen Preises in der tiefsten Provinz einen Bauernhof mit entsprechendem Gelände zu kaufen und den Nachbarhügel mit festen Verträgen zu pachten. Der Bauernhof wurde umgebaut, einmal zum Wohnen der Familie, dann für ein sehr reich bestückten Geschäft (vor allem Kompound) mit einem sehr großen (!) Kundenkreis und seinen „Gites“ Ein schmuckes kleines Häuschen für 2-4 Personen und eine Wohnung für 12-16 Personen. Beides mit voller Kücheneinrichtung.



An einem Bach und einem stillen Teich mit Bänken trifft man auf den Einschießplatz. 10 m, 20 m, 30 und 50 m Scheiben auf einer gemähten Wiese. Wehe, ein Pfeil geht daneben. Er gräbt sich in die Grasnarbe und ist verschwunden. Viele Bogenschützen kennen dieses Problem. Ich habe zwei jungen Franzosen meinen Kratzer geliehen. Sie haben 5 Pfeile, aber nicht der eigenen gefunden. Des weiteren sind 50, 7o und 100 m Scheiben für Conpoundschützen aufgestellt.





Zwei Parcours: Blau und Rot mit zwanzig 3D Zielen, manchmal zusätzliche mit kleine Gruppen, Rot sehr steile An- und Abstiege, teils mit Seilen gesichert oder eindeutig markierten Umwegen, da der Abstieg zu gewagt sein kann.



Für beide Parcours gilt: Deutlich erkennbar eine Ankündigung des Zieles, klar gesteckte Pflöcke, rot (Visier) blau und weiß, zum Teil sehr raffiniert zwischen mehreren Bäumen, oft mit kleinen Schußfenstern bei steilen Auf-und Abschüssen auf gut erhaltene schöne Tiere. Beide Parcours beginnen nach einer Bachüberquerung auf ebenen, gut und breit angelegten Wegen in ausgelassenen Wiesen mit Schlehen, Wildäpfel, Weißdorn und hochgewachsenen Karden, unterbrochen von kleinen Brücken in Bachnähe mit dichtem Erlenbruchwald. Dann ein sehr steiler Anstieg und Übergang in Eichenmischwald, reines Haselgestrübb und auf dem Kamm unten abgestorbenen, oben aber noch dichten Wildäpfelbäumen . Dann wieder urwaldähnliche verschlungene Wege, die gutes Schuhwerk verlangen. Es ist ein biologisch sehr gesunder Wald, der nicht „beforstet“ wird. Der Boden ist sehr steinig und bietet mit eingehauenen Stufen und den schon erwähnten Haltestricke genug Sicherheit beim Überqueren von tiefen Schluchten mit interessanten Schüssen. Hervor zu heben ist die Stille: keine Autobahn, kein Flugzeug einfach wohltuende Stille, manchmal unterbrochen durch eine Vogelstimme.



Wie bei allen von uns besuchten Parcours hat auch trotz „Unwegsamkeiten“ mein Sitzstock beste Dienste geleistet.



Besonders schwierig fand ich eine knuddelige Wildkatze am Baum zwischen dicht stehen Eichen als Bergabschuß ohne Pfeilstopp, dafür aber ein Schlehen- Brombeergestrübb. Meine Frau sagte, „Konzentriere dich, denn wenn du vorbei schießt, musst du selber ins Gebüsch krabbeln; ich gehe da nicht rein“.



Hervorzuheben auch eine Gruppe mit Hasen und Wiesel, die von einer Schnur auf 10-12 m Durchmesser umspannt war, so dass man sich selbst einen günstigen Abschußplatz suchen konnte. So vergingen die beiden Tage bei wunderschönem Wetter, sehr heiß, aber kühl im schattigen Wald, mit dem Gefühl etwas sehr Schönes erlebt , erfolgreich geplant und geschossen zu haben. Zum Abschluss fuhren wir dann zum Chateau de Roche zu Frau Catherine (etwa 175 km), machten dort wieder einen der zwei Parcours und feierten völlig geschafft meinen 79. Geburtstag bei Schloßathmosphäre und einem erlesenen Fünfgänge-Menue. Fünf Tage im Freien, mit zwar machbaren, aber doch spürbaren Anstrengungen waren ein besonderer Kurzurlaub, den ich Bogenschützen wärmstens empfehlen kann.





Der letzter Schuss 30 m bergab. Da der Abstieg zu steil, war, hat man eine Umgehung von etwa 70 m markiert, so dass man von unten die Pfeile ziehen konnte..



Bourgogner Archérie
Betreiber Jany Careau
Adresse 2111230 Viévy. Hameau d‘Auxerain
Kontakt 0033380901782, info@bourgognearcherie.com
Betriebszeiten immer, tel. Absprache
Preise pro parcour (1/2 Tag 13 € (Jugend 11 )
1/1 Tag 20 €
Wochenende 35 €
Ziele 2 Parcours mit je 20 3D-Ziele, in die natürliche Natur
eingepasst, kein Pfeilstopp
Entfernungen 15 - 35 und mehr (roter Pflock)
Parcours sehr gut beschriftet und angekündigt, im Internet alle
Ziele abgebildet, Wege sehr gut markiert, Parcours Blau
Mittelschwer, Parcours rot teils schwer mit Seilhilfen
Gelände Bergig mit gepflegten Wiesenwegen, dann sehr
naturbelassen, Erlenbruchwald, Eichenmischwald, dichte
Haselnussbüsche, auf dem Kamm wilde Apfelbäume.
Sonstiges Sehr gut bestückter Laden, Besitzerehepaar und Sohn
sehr zuvorkommend und mitteilsam.