Spektrum Bogensport

„Pfeil und Bogen“ können zu den ältesten Waffen der Menschheit gezählt werden. Dies beweisen die zahlreichen Funde bei Ausgrabungen, sowie viele alte Bilder und Zeichnungen. Man kann davon ausgehen, dass der Bogen zuerst als Jagdwaffe Verwendung fand, sich zur Kriegswaffe weiterentwickelte und heute als  Sportgerät in den diversen Disziplinen der Präzisionssportart „Bogenschießen“ in Gebrauch ist.

Der Bogensport,  in unterschiedlichen Variationen, erfreut sich immer größerer Beliebtheit in allen Kreisen der Bevölkerung und ist für nahezu alle Altersgruppen,  insbesondere auch als Familiensport geeignet. Auch die jeweils zugrundeliegende Motivation zum Bogenschießen ist vielfältiger Natur. So schießen die einen als Leistungssport auf standardisierte Zielscheiben in festgelegten Entfernungen, andere wiederum,  um sich einen Ausgleich zum Alltagsstress zu schaffen oder aus reinem Vergnügen bzw. als  Hobby. Wieder andere haben sich dem asiatischen Zen-Bogenschießen oder dem „Kyudo“ mit dem Yumi zugewendet und schätzen hierbei den meditativen Aspekt. Der therapeutische Nutzen des Bogensports rückt  immer mehr in das Interesse von Körper- oder Psychotherapeuten und fand  somit  Einzug in das Programm diverser psychosomatischer- bzw. -Reha-Kliniken. Genutzt werden hierbei die dem Bogenschießen inhärenten Gegensätze zwischen Anspannung und Entspannung, Konzentration und Loslassen, spielerischem Tun und Disziplin.
Eine weitere Variante ist das Schießen mit kurzen Reiterbögen vom galoppierenden Pferd aus oder das „Clout-Schießen“(clout englisch für Fahne) auf eine 165 m entfernte Flagge bzw. deren festgelegtem Umkreis, das ähnliche „Roving“ auf unterschiedliche Flaggen in unbekannter Entfernung und das "Flight-Shooting“ mit dem Ziel, den Pfeil möglichst weit zu schießen.
Erwähnt werden kann schließlich auch noch der Bogenlauf (run-archery) und die Winteralternative das Ski-Archery, ähnlich dem Biathlon (die Bögen werden dabei mitgeführt, die Pfeile liegen am Ziel bereit) mit den entsprechenden Strafrunden bei Fehlschüssen; das aus dem Mittelalter stammende Beursault-Schießen durch eine natürliche oder künstliche  Allee mit 50 m Länge (sogenannte Beursault-Gärten) auf eine Ringscheibe mit geringem Durchmesser. Und dann gibt es da auch noch die Bogenjagd und das Bogenfischen auf lebende Tiere, wobei beides in Deutschland (-zu Recht) verboten ist.


Bogenschießen wurde 1954 ins Sportprogramm des Deutschen Schützenbundes aufgenommen und ist seit 1972 wieder als olympische Disziplin zugelassen. Geschossen wird hierbei unter dem früheren Dachverband der FITA (Féderation Internationale de Tir à l`Arc), seit 2011 WA (World Archery Federation) genannt, mit dem sogenannten Olympischen Recurve-Bogenmit Visier, Stabilisatoren, Button und Klicker.  Sämtliche Schützen stehen hierbei an einer ebenerdigen Linie und schießen, mit Zeitlimit,  ihre Pfeile auf die mehrfarbigen Ziele (Ringwertung),  Bei diesen WA-Turnieren stehen die Zielscheiben auf 90m, 70m (Zielauflagendurchmesser 122 cm), 50m u. 30m (80 cm Auflage-Durchmesser) bei der Herrendisziplin, bei den Damen entsprechend auf 70m, 60m, 50m und 30m.
Der Kraftaufwand bei solchen Turnieren ist immens. Bei der Großen FITA und 144 zu schießenden Pfeilen sowie einem angenomenen Bogenzuggewicht von 40 lbs=18.16kg (ein engl. Pfund lbs = 0,454kg) beispielsweise, bewegt der Schütze immerhin 2615 kg! Und dies, bei der erforderlichen hohen Konzentration auf das sogenannte „Gold“ bzw. „X“ ( bei Compoundschützen) der Zielsauflage. Eine beachtliche Leistung also, bei Wind und Wetter.
Es gibt jedoch hierbei auch eine Indoor-Disziplin auf 18m in der Halle, dies dient dem Schützen zur Erhaltung seines Leistungsstandards in den Wintermonaten. Auch hier ist das „Gold“ (10 Punkte) oder für Compoundschützen das noch kleinere „X“ das angestrebte Ziel. Die kurze Entfernung ist jedoch auch für Anfänger ideal zur Einübung des korrekten Schießablaufs, auch wenn es vielleicht manchmal ein sogenanntes „M“ für Miss gibt, wenn keine Ringe  getroffen werden.. Übung macht auch hier den Meister!
Eine weitere Disziplin stellt das Feldbogenschießen dar, und kann sowohl mit traditionellen Bögen (ohneVisier)  zum Beispiel traditioneller Recurve als auch mit  Compoundbögen oder  Olympic-Recurves (mit Visier) betrieben werden. Hier sind spezielle Feldbogenzielscheiben (schwarz-gelb mit den Durchmessern 20 cm, 40 cm, 60 cm u. 80 cm oder Tierbildauflagen) auf einem Rundkurs im freien Gelände aufgestellt. In 2 Runden werden jeweils mit 12 bzw. 24 Stationen auf bekannte und, unbekannte Entfernungen (maximal 60m nach FITA / maximal 80 yards = 73,152 m nach IFAA) geschossen. 3 Pfeile sind pro Pflock zu schießen. Bei dieser Art des Bogensports müssen Geländebeschaffenheit, zusätzliche Neigungen der Zielscheibe, Wind und Lichtverhältnisse in die Überlegungen vor dem Schuss mit einbezogen werden und ,bei „unbekannten Entfernungen“, eine gute Entfernungseinschätzung des Schützen erfolgen. Hilfreich sind die hierbei erlaubten Ferngläser zur Kontrolle der Trefferlage. Bei einigen Scheiben gibt es auch sogenannte „walk ups“(4 Pflöcke mit unterschiedlicher Entfernung und „Fächer“ (4. Pflöcke mit gleicher Entfernung aber unterschiedlichen Winkeln). Alle Schützen werden vor einem Turnier in kleine Gruppen  ( Rotten ) eingeteilt, welche jeweils an unterschiedlichen Pflöcken starten. Ruhe, Konzentration, Ausdauer und Flexibilität sind für das erfolgreiche Feldbogenschießen unerlässlich.

Eng mit dem Feldbogenschießen verwandt ist das 3 D-Schießen. Als Jagdsimulation gedacht, erfreut es sich immer größerer Beliebtheit unter den Bogenschützen. Ebenso wie beim Feldbogenschießen werden die Schützen in Rotten und auf unterschiedliche Startpflöcke eingeteilt.  In Wald und Flur wird in sogenannten Parcours auf lebensechte, möglichst realistisch positionierte, Tierattrappen -3-D-Tiere- in unbekannter Entfernung geschossen.  Hier muss der Schütze mit dem ihm gegebenen Bogen- und Pfeilmaterial, unterschiedlichen Wetterbedingungen und Lichtverhältnissen, Schusspositionen bergauf- und bergab, über Senken hinweg oder durch Geäst hindurch, zu Recht kommen.  Der Pflock an dem man steht, kann beispielsweise auch mal auf einem schmalen Baumstumpf postiert sein, oder es muss von einem schwankenden Brett aus geschossen werden. Bewegliche Ziele sind auch des öfteren zu finden. Manche Tiere müssen gar kniend erlegt werden, weil ein undurchdringliches Geäst auf Augenhöhe des stehenden Schützen ist, immer neue Situationen also. Ziel ist es hierbei, mit dem Pfeil in das sogenannte „kill“ des Tieres (also den Bereich wo Lunge u. Herz liegen würden) zu treffen. Üblicherweise bei solchen Turnieren sind 28-32 Tiere gestellt, die in einer 3-Pfeil-Runde mit maximal 3 Pfeilen beschossen werden dürfen. Der 1. Pfeil, der trifft,  wird gezählt. Die 3 Wertungszonen eines 3-D-Tieres sind das centerkill, das kill  und  wound (Körpertreffer außerhalb der killzone). Bei der Hunterrunde darf nur ein Pfeil geschossen werden. Manchmal gibt es jedoch auch eine Doppelhunterrunde, wobei von 2 verschiedenen  Pflöcken aus geschossen wird.  Die Distanzen sind abhängig von der Größe des 3-D-Tieres, angefangen bei wenigen Metern bis maximal 64 m oder auch mal 70 m.  Sonderformen solcher Turniere, wie zum Beispiel ein Nachtschießen, wobei eine Runde bei Tageslicht und eine Runde bei Nacht geschossen wird oder Turniere, bei denen jagdliches Wissen gefragt ist und mit einfließt,  runden das Bild ab.

Nicht auf  jedem 3-D-Turnier sind alle Bogenklassen zugelassen, es gibt zum Beispiel auch Turniere, bei denen nur Primitivbögen und Langbögen mit den entsprechenden Holzpfeilen zugelassen sind oder Turniere an denen keine Visierschützen teilnehmen können, also nur sogenannte Blankschützen.

Die jeweils zugelassenen Bogenklassen, Wertungen etc. sind abhängig vom Turnier ausrichtenden Verband bzw. Verein. Alle diese Bedingungen sind  in der Ausschreibung zum Turnier zu lesen oder werden vor dem Turnier nochmal angesagt.
Gefragt sind auch hier wieder Konzentration, Ausdauer und  eine möglichst korrekte Entfernungseinschätzung.

Da jedes Turnier in einer anderen Gegend mit anderen Witterungsbedingungen, sowie unterschiedlichen Tieren stattfindet, sind die stetig wechselnden Bedingungen eine Herausforderung an das Können des Schützen, und somit  auch ein Grund, warum diese Art des Bogenschießens immer mehr Anhänger findet. Es wird nie langweilig!

Bei fast allen diesen Variationen des Bogenschießens hat man, unter bestimmten Leistungsvoraussetzungen, die Möglichkeit Welt-/ Europameister oder gar Olympiasieger zu werden. ;-) Unabhängig von solch hohen Ambitionen, stehen aber Spaß, Freude, Geselligkeit oder auch ein gemeinsam mit der ganzen Familie verbrachter Tag bei den meisten Bogenschützen im Vordergrund und sind das Wichtigste bei dieser schönen Sportart.

Probieren Sie es und sammeln Sie Ihre eigenen Erfahrungen im Umgang mit Pfeil und Bogen! Ob WA-Schießen, Feldbogenschießen, 3-D-Schießen oder andere Arten des Bogensports, je nach Ihrer persönlichen Vorliebe, finden Sie sicherlich einen Bogensportverein in Ihrer Nähe, der Ihnen zusagt. Oft wird ein „Schnuppertraining“ angeboten und die dazugehörige Ausrüstung leihweise zur Verfügung gestellt.